Statistik
Frühe Hilfe in einer sensiblen Phase: Was die nationale Statistik 2024 über die Mütter- und Väterberatung zeigt
Zwei Drittel der beratenen Eltern sind Schweizer Staatsangehörige, jede dritte Beratung findet in den ersten 20 Lebenswochen statt, im Fokus stehen Fragen zu Ernährung und Entwicklung: Die nationale Statistik des Schweizerischen Fachverbands Mütter- und Väterberatung (SF MVB) liefert Einblicke in die Nutzung des Beratungsangebots durch Familien in der Schweiz.
Die Mütter- und Väterberatung (MVB) begleitet Eltern mit Kindern von 0 bis 5 Jahren niederschwellig und wohnortsnah. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur frühkindlichen Gesundheit, Entwicklung und Prävention. Seit 2016 erhebt der SF MVB regelmässig Daten zu Beratungen und Organisationsstrukturen. Die Auswertung der Daten aus dem Jahr 2024 wurde im 2025 erstmals durch das Institut für Hebammenwissenschaft und reproduktive Gesundheit (IHG) an der ZHAW ausgewertet. Ein herzlicher Dank an alle beteiligten Organisationen für ihre Mitwirkung und ihr Engagement.
Die Auswertung für das Jahr 2024 basiert auf den anonymisierten Daten von 77 Organisationen aus allen Sprachregionen, wobei die Romandie mit fünf teilnehmenden Stellen untervertreten ist. Da keine Vollerhebung der Daten vorliegt, wird neu auf eine Veröffentlichung absoluter Zahlen verzichtet.
Wer sucht Beratung?
Die MVB erreicht eine breite Bevölkerungsgruppe. Rund 65 Prozent der Mütter und Väter verfügen über die Schweizer Staatsangehörigkeit. Unter den ausländischen Nationalitäten sind Italien, Deutschland, Portugal und Eritrea am häufigsten vertreten. Auch sprachlich spiegelt sich die Vielfalt der Schweiz. (Schweizer-)Deutsch ist bei der Hälfte der Mütter und knapp der Hälfte der Väter als Muttersprache erfasst. Es folgen Italienisch, Albanisch und Portugiesisch – bei Vätern in leicht abweichender Reihenfolge.
Die ersten Wochen sind entscheidend
Besonders stark nachgefragt wird die Beratung in der frühen Lebensphase des Kindes. Im Durchschnitt findet die erste Beratung im Alter von 9,5 Wochen statt. Ein Drittel aller Beratungen entfällt auf die ersten 20 Lebenswochen. In dieser Zeit sind Fragen zu Ernährung, Schlaf, Entwicklung oder Unsicherheiten im Umgang mit dem Neugeborenen oftmals besonders drängend. Insgesamt werden 65,3 Prozent aller Beratungen im ersten Lebensjahr durchgeführt. Danach sinkt die Zahl der Kontakte und stabilisiert sich auf tieferem, aber kontinuierlichem Niveau. Die Expertise der Mütter- und Väterberatung bleibt damit bis zum fünften Lebensjahr gefragt.
Vor Ort bleibt zentral – Online legt leicht zu
Die klassische Beratung auf der Beratungsstelle bleibt die wichtigste Form des Kontakts (44%). Ihr Anteil ist im Vergleich zur letzten Auswertung stabil geblieben. Rückläufig mit jeweils minus fünf Prozent sind hingegen Telefonberatungen (27%) und Hausbesuche (13.%). Gleichzeitig gewinnen digitale Kanäle leicht an Bedeutung: Onlineberatungen per E-Mail, SMS oder Chat haben um zwei Prozent zugenommen und liegen nun bei 8%. Dieser Trend deutet auf eine vorsichtige, aber kontinuierliche Erweiterung der Zugangswege hin. Die persönliche Beratung leibt jedoch weiterhin zentral.
Ernährung und Entwicklung im Fokus
Inhaltlich dominieren die Themen Ernährung und Entwicklung. Weitere häufig genannte Themen sind Pflege und Gesundheit, Schlaf, psychosoziale Aspekte sowie das neu explizit ausgewiesene «Messen und Wiegen».
Wer weist die Familien zu?
Erstmals erfasst die Statistik auch die zuweisenden Stellen. Am häufigsten erfolgen Zuweisungen durch die Beratungsstellen selbst, gefolgt von Spitälern und Geburtshäusern, Hebammen sowie Pflegefachpersonen. Auch Selbstzuweisungen durch Familien und Zuweisungen über Behördenstellen spielen eine wichtige Rolle.
Fazit und Ausblick
Die Ergebnisse der Statistik 2024 machen deutlich: Die Mütter- und Väterberatung erreicht Familien unterschiedlicher Herkunft, setzt früh an, reagiert auf veränderte Kommunikationsgewohnheiten und ist im Gesundheits- und Sozialwesen gut vernetzt. Die MVB bleibt damit eine zuverlässige Partnerin und verlässlicher Anker für die Gesundheitsförderung und Prävention im Bereich der frühen Kindheit.
Im Jahr 2026 wird die Statistikerhebung durch den SF MVB einem umfassenden Überarbeitungsprozess unterzogen, um die Datengrundlage zu stärken und die Statistik für die Zukunft noch aussagekräftiger zu gestalten.